Sou, bisch trotzdemm doa?
Hohenlohe trifft sich im Netz
 

 

Verlagsaktion: Die Muswiese 2020 fällt traurigerweise dem Virus zum Opfer. Kleiner Trost: Die Südwest Presse Hohenlohe eröffnet einen Online-Jahrmarkt. Von Sebastian Unbehauen

Die Muswiese ist das Gegenteil vom Lockdown: Kein Zentralhohenloher bleibt daheim hocken, wenn sie ruft, niemand hält auf dem schönsten Jahrmarkt der Welt Abstand, weil jeder die Nähe zum anderen sucht – und in den Budengassen, den Bauernwirtschaften, den Zelten ganz sicher findet. Kein Mensch rennt sofort zum ausgiebigen Händewaschen, wenn ihm beim Zuprosten ein Schluck Bier vom Gegenüber über die Finger schwappt. Und die Schlachtplattenbewältigung mit Maske ist ein Kunststück, das keiner beherrscht. Kurzum: Eine Muswiese unter Corona-Bedingungen kann und will man sich nicht vorstellen. Deshalb hat die Gemeinde Rot am See das Treiben schweren Herzens abgesagt. Selbst „Google Maps“ weiß: „Muswiese – Vorübergehend geschlossen“.

Für die Liebhaber des Musdorfer Hochfests ist das einfach nur bitter, für Händler, Schausteller und Aussteller ist es mehr als das. Für sie ist die Messe ein Wirtschaftsfaktor, ein erprobter Marktplatz, auf dem gut gelaunte Kunden gut informierte Experten suchen, auf dem die Herzen und die Geldbeutel weit sind, wo man dies braucht und jenes, wo man nach Muswiesen-Angeboten Ausschau hält und sich von den neuesten Bulldog-, Stallausrüstungs-, Hausbau-, Socken-, Küchen- und Kaminofentrends inspirieren lässt.

Händler präsentieren sich

Was nun? Die Südwest Presse Hohenlohe hat sich vorgenommen, den Gewerbetreibenden der Muswiese ein Forum zu bieten, um auch heuer mit Kunden in Kontakt zu kommen. Unter dem Motto „Sou, bisch trotzdemm doa?“ öffnet am Samstag, 10. Oktober, ein virtueller Jahrmarkt. Standbetreiber, die mitmachen möchten, können sich und ihr Angebot im Internet unter der Adresse

www.muswiese-einmal-anders.de präsentieren. So muss 2020 kein Jahr ohne Muswiesen-Schnäppchen und -Umsätze beziehungsweise ohne neue Socken, Gewürze, landwirtschaftliche Maschinen und so weiter bleiben.

Der Künstler Darius Kowalik alias Koval hat den zugehörigen Festplatz gekonnt gezeichnet (einen Ausschnitt sehen Sie oben), die Gemeinde und der Bund der Selbstständigen Rot am See, dessen Vorsitzender Kowalik ist, haben die Idee von Anfang an unterstützt. „Dafür bedanken wir uns herzlich“, sagt Peer Ley, der Marketingleiter der Südwest Presse Hohenlohe.

Nicht nur Stände und ihre Angebote gibt es auf der Plattform zu entdecken, sondern auch jede Menge Geschichten, Bilder und Splitter von der Muswiese. Und: Online-Besucher können sich kostenlos einen Parkplatz auf dem Internet-Acker mieten – ganz ohne die Gefahr, stecken zu bleiben. So weiß jeder, der reinklickt, wer gerade „ah a weng doa“ ist.

Schon klar, es gibt nichts Analogeres als die Muswiese. Sie lebt von ihren Gerüchen. Von den Begegnungen. Vom Schwitzen in den Wirtschaften und vom Frösteln in den nächtlichen Gassen. Vom Plaudern und Kurz-Zunicken, vom Gebrannte-Mandel-¬Knacken und vom beseelten Schlendern durch die Szenerie, die man schon vom Kinderwagen aus in sich aufgesogen hat. All das will, all das kann der digitale Marktplatz nicht ersetzen. Aber er kann ein Trostpflaster sein: für Gribbl, für Kaufleute, für alle, die die Muswiese lieben.