Fünf Freunde pflegen Kontakte

Neben den Marktbuden ist die Landwirtschaftsausstellung das Aushängeschild der  Muswiese. Täglich ziehen mehrere Tausend Menschen von Stand zu Stand. Auch fünf  Jungbauern waren unterwegs. Von Johannes Ihle

 

Es regnet, besonders warm ist es auch nicht. Doch das tut der guten Laune keinen Abbruch. Denn: Die  Muswiese ist nur einmal im Jahr. Und das muss ausgenutzt und gefeiert werden. Am liebsten den ganzen Tag. Und am allerliebsten an allen fünf Tagen. Doch Landwirte können nicht einfach freinehmen. Auf dem heimischen Hof gibt es immer viel Arbeit, die erledigt werden muss. Daher will die  Muswiesen- Zeit gut organisiert werden.

 

Fünf, denen diese Zeit heilig ist, sind Jörg Deeg, Daniel Vogt, Lukas Hanselmann, Fabian Reiß und Jens Winterhalder – fünf  Jungbauern aus der Region. Jedes Jahr ziehen sie gemeinsam durch die Landwirtschaftsausstellung und lassen es sich dabei gut gehen. 2017 durfte  das HT sie einige Stunden lang begleiten. Treffpunkt: Dienstag, 10.30 Uhr.

 

Alle sind pünktlich, der Rundgang kann starten. „Das Tolle an der  Muswiese ist, dass man alle trifft, die man das ganze Jahr über nicht sieht“, sagt der 29-jährige Daniel. Aber natürlich spielt auch ihr Beruf eine große Rolle. Denn auf der Ausstellung trifft man nicht nur alte Schulkameraden oder zahlreiche andere Bekannte, sondern auch jene Händler, die den Hof beliefern.

 

Geschäftliches regeln die fünf auf der  Muswiese nicht. „Hauptsächlich geht es hier um die Kundenbetreuung“, erklärt der 32-jährige Jörg mit einem Schmunzeln im Gesicht. Was es damit auf sich hat, wird schnell klar. Während es an der ersten Station noch eine Kleinigkeit zum Essen gibt – Saitenwürstle im Weckle mit Senf – geht es bei Aussteller Nummer 2 an die Getränkewahl, die recht schnell entschieden ist: Das erste Bier kommt auf den Tisch. Uhrzeit: 11 Uhr.

 

Vieles erinnert die  Jungbauern beim Rundgang an ihre Kindheit. „Papa schwätzt und schwätzt und schwätzt, und man kommt nicht voran“, erzählt der 23-jährige Jens. Die anderen stimmen ihm lachend zu. Während Kinder genervt daneben stehen, ist es genau dies, was den Erwachsenen gefällt. Mittlerweile ist es bei den fünf Freunden auch so. Gefühlt jeden Meter hält einer an, um mit jemandem zu schwätzen. Aber das ist auch gut so. Das gehört dazu, dafür sind sie auf der Ausstellung unterwegs.

 

Vieles ist noch so wie früher. Aber es gibt auch Veränderungen. Auch vor der Ausstellung machen die digitalen Medien nicht halt. „Früher gab es noch Vorführungen auf den Feldern, heute ist das nicht mehr so. Man kann heutzutage alles über das Internet anschauen“, sagt Jörg.

 

Zwischen Landmaschinen und Autos wird auch ein wenig gefachsimpelt und einige Fragen geklärt: Welche Maschine wird für gut befunden? Welche würde man gern kaufen, ist aber deutlich zu teuer? Was ist totaler Mist? Doch nicht nur über berufliche Dinge unterhalten sich die fünf. Zu ihrem Rundgang gehört auch der „Austausch von Tatsachen“. So wird beispielsweise einige Stationen und ein paar Bierchen weiter über den vorigen Abend philosophiert, an dem traditionell die Metzgerstänzer ihre Hauptprobe absolvieren und im Anschluss diverse Stiefel beim  Muswiesenwirt Pressler leeren.

 

Gegen 13.30 Uhr werden an Station Nummer 6 die kleinen Becher ausgepackt: Es ist Zeit für das erste Schnäpschen. Um den Tag nicht all zu früh beenden zu müssen, gibt es zwischendurch mal eine Tasse und Häppchen wie Kuchenstücke, Zopf oder Gesalzenes. Auch wenn es die fünf ungern zugeben.

 

Im Gewerbezelt angekommen – es ist 15 Uhr – treffen die  Jungbauern einen Bekannten, der Geburtstag hat. Wie passend. Da muss doch auf das neue Lebensjahr angestoßen werden. Feierlich gibt es einen Asbach-Cola – das Nationalgetränk der  Muswiese. Ein Ständchen wird auch gesungen. Danach verabschiedet sich das HT und lässt die Herren allein weiterfeiern.

 

Für die  Jungbauern ist die  Muswiese noch lange nicht zu Ende. Ein paar Stationen liegen noch vor ihnen, bevor der Alltag sie wieder einholt. Aber: Das Lachen und die Vorfreude auf das kommende Jahr kann den fünf Freunden niemand nehmen.

 

(Foto: HT-Archiv)